‚Freunde‘

23 Mai

Heii.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll mit schreiben. Ich habe viel zu erzählen… und das gerade mal mit 13. Naja gut,fangen wir mal ab meinem 11. Lebensjahr an. Mit 11 war ich das erste mal so richtig von Zuhause weg. Ich war früher (mit 10 glaube ich) für ca. 2 Wochen im Heim.
Danach wollte ich wieder zu meiner Mutter zurück.Von da an hatten wir viel mit dem Jugendamt zu tun. Als ich es mit 11 nicht mehr aushielt, weil ich einfach nicht mit meiner Mutter und meinem Vater klar gekommen bin. Die beiden trennten sich und kamen dann wieder zusammen. Das konnte ich nie nachvollziehen und kann es bis heute auch nicht.
Mein Vater hat meiner Mutter und mir zu viel dafür angetan.
Jeden Abend dieses ganze Theater, wenn er mal wieder zu viel getrunken hatte. An einem Tag war es so schlimm und ich hatte solche Angst vor ihm, dass ich mich in meinem Zimmer eingesperrt und die Polizei angerufen hatte. Die kamen dann, nahmen mich mit und brachten mich zu meiner Oma, zu der ich schon immer ein gutes Verhältnis hatte. Nach ca. 2 Wochen kam ich dann in eine Wohngruppe, die nicht weit von meinem Zuhause weg war.
Dort war ich mit 11 die jüngste. Die anderen dort waren alle zwichen 13-16.I ch freundete mich mit den anderen dort an, was damals für mich sehr schwer war, weil ich wenig Selbstbewusstsein hatte.
Ich hasste mich.
Ich hasste einfach alles an mir.
Deshalb fing ich an, mir weh zu tun.Ich sprühte mir Deo mehrere Minuten auf die gleiche Stelle am Arm.I ch verätzte mir damit meine Haut. Ich ging öfters mit den anderen aus der Gruppe raus.
Anfangs war ich total schockiert als ich sah wie die anderen rauchten. Es war für mich nicht normal, dass man mit 14 rauchte.
Es war Assi! Irgendwann fing ich dann selber an weil ich genauso ‚cool‘ wie die anderen sein wollte.
Ich komme bis heute nicht mehr von den Zigaretten weg. Ich fing an, mir dort meine von Natur aus braunen Haare rot zu färben. Zog enge Jeans Hosen und Leggins an ,dazu hautenge Oberteile. Außerdem schminkte ich mich, was ich davor nicht tat.
Immer wieder tat ich das alles. Egal wer auf mich einredete. Ich war nicht mehr ich selbst.
Abends jedoch war ich es. Ich war alleine..alleine mit mir selbst. Ich habe mich so unbeschreiblich doll gehasst.
Ich wollte sterben! Ich wollte nicht leben wenn ich ich sein muss. Ich kam das 1. mal in die Psychiatrie. Nach 3 Wochen durfte ich nach Hause.I ch kam wieder in die Gruppe und alles fing erneut an.
Ich merkte kaum, wie ich abrutschte. Aber meine Mutter. Diese beschloss dann, mich dort raus zu holen. Ich kam wieder nach Hause..doch dort wurde es nur schlimmer!
Zwar hörte ich auf, mich zu verletzten,doch es gab ein neues Problem: ich hing nur noch an meinem Computer oder meinem Handy.
Ich war süchtig..süchtig nach Facebook.
Dort hatte ich viele ‚Freunde‘, die ich nicht mal in echt kannte. Ich fühlte mich toll. Auf Facebook hatte ich schöne Bilder. Bilder auf den man nicht sah, wie schlecht es mir ging. Immer wieder lächelte ich, tat auf arrogant,nur um den anderen zu gefallen.
Ich vernachlässigte mich. Meine Haare wurden fettig, ich stank.
Ich stand nur auf, um eine zu rauchen, essen zu gehen oder um auf Toilette zu gehen.
Ich schwänzte die Schule.
In der 6 Klasse auf dem Gymnasium hatte ich dann 260 Fehlstunden. Ich verletzte mich erneut selbst. 2013 Anfang Januar fand mich meine Mutter mit aufgeritzten und verätzten Armen schlafend in meinem Bett.
Der Krankenwagen kam.
Ich wurde in Krankenhaus gebracht.Von dort aus kam ich wieder in die Psychiatrie. Ich hatte ein Gespräch mit dem Oberarzt. Dieser schickte mich in eine Aufnahmegruppe.
Ich solle mich in den Alltag zurück finden.
Nicht mal dort ging ich in die Schule.I ch schwänzte.
Hing lieber Draußen mit meinen ‚Freunden‘. Ich lief unmöglich rum.
Ich trug noch immer hautenge Klamotten, zog dazu hochhackige Schuhe an. Und das obwohl überall Schnee lag und ich erst 11 war.
Die Erzieher machten es nicht besser.
Ich wurde Abends um kurz vor Zehn rausgelassen, um eine zu rauchen. Ich durfte in meinem Zimmer aus dem Fenster rauchen.Von dort aus kam ich in eine geschlossene Einrichtung.
Schlimmer als die Psychiatrie. Die Türen dort waren auch abgeschlossen. Man wurde auf dem Flur und im Aufenthaltsraum mit Kameras überwacht.Die Duschen und das Waschbecken gingen nach 5 Sekunden aus und man musste erneut den Knopf drücken.
Ich war wieder die jüngste.
Die älteren durften im Büro ihre Zigaretten aufbewahren. Nach 3 Wochen durfte ich das erste mal ohne Begleitung raus. In den ersten drei Wochen als ich da war, wurde ich 12.
Als ich Draußen war, gaben die anderen mir Zigaretten.,Jede 15 Minuten musste ich zurück zur Gruppe und mich melden.
Ich wurde in dieser Gruppe nur noch schlimmer.
Verständlich wenn du 3 Monate mit Kiffern zusammen lebst. Ich wurde aggro, rastete dort auch mehrfach aus und wurde dann in den ‚Action Raum‘ gesteckt.Die Betreuer mussten mich zu 3 dort rein schleppen, weil ich mich gewehrt habe.
In dem Raum sind viele Gummiwände.
Die Tür wurde abgeschlossen und ich wurde die ganze Zeit von der Kamera beobachtet, die dort hing.Was mich noch aggressiver machte.
Ich kam nach dieser Gruppe in eine andere. Eine die nicht in meinem Umfeld war. Dort waren mehrere Häuser auf einem Gelände. Ich kam in eine Gruppe für die Leute in meinem Alter.
Ich fand es Kindisch !
War wieder nur mit den älteren am hängen. Ich war total assi. Ich machte Leute, die ich nicht kannte, mit meinen ‚Freunden‘ dumm auf der Straße an. Ich wurde in der Gegend schnell bekannt.
Ich war zwar klein aber trotzdem ganz groß. Meine Mutter holte mich auch dort raus.Weil ich mich nach einer weile änderte. Ich hielt mich an die Regeln. Ging zur Schule und haute nicht mehr ab. Als ich nach hause kam ging es die erste Zeit auch. Ich wechselte vom Gymnasium auf die Real. Die ersten Wochen war ich super in der Schule.
Dann fing ich an, mit Leuten von der Hauptschule zu hängen.
Ich hörte auf zu lernen.Wurde wieder wie früher. Ich lernte meine heute beste Freundin kennen.Wir gingen feiern.Wir zog uns an wie ‚Schlampen‘. Hatten Oberteile an, die gerade mal das wichtigste bedecken.
Wir lernten Jungs kennen.
Ich kam mit einem 16 Jährigen zusammen. Ich verlor meine Jungfräulichkeit. Ich trennte mich von dem Jungen, weil ich heraus fand, dass er so etwas öfters macht. Er sucht sich jüngere Mädchen und tat das, was er auch mit mir machte.
Ich fühlte mich schrecklich.
Ich ging immer öfter trinken. Rannte des öfteren betrunken vor der Polizei weg.
Ich wurde 13.
Ich lernte einen tollen Jungen kennen. Kam mit ihm zusammen.
Er war 15. Seine Freunde waren meist über 18. Doch er war nicht assozial. Ich hörte auf, mich zu ritzen..wegen ihm.Wir gingen öfters trinken.
Ich übertrieb es immer öfter.
Wir fingen an uns zu streiten und das sehr oft .Ich lernte jemand anderen kennen und betrog meinen Freund dann mit dem. Ich hatte keinen Respekt mehr..nicht mal vor meiner Mutter.
Ich beleidigte sie.
Sie konnte sich nicht durchsetzen. Ich fing an zu Kiffen, kam bekifft nach Hause als meine Mutter nicht da war, weil sie im Krankenhaus lag und nur ihr Freund da war.
Einen Tag später haute ich von Zuhause ab.
Zu einem Jungen, den ich erst seit ein paar Tagen kannte.
Ich schlief bei ihm. Mitten in der Nacht kifften wir.Wir küssten uns.
Der Junge bei dem ich war ist 18. Er wusste das ich 13 bin. Ich machte mit meinem Freund für diesen Jungen Schluss.I ch war bekifft und schrieb ihm eiskalt ‚Es ist vorbei. Ich habe was mit einem anderen.‘. Am nächsten Tag wurde ich von der Polizei aufgegriffen und kam in die Psychiatrie. Ich bin nun seit 2Wochen hier. Ich muss noch ca. 6Wochen hier bleiben, weil die Leute hier eine passende Gruppe für mich suchen, was nicht so einfach ist, da ich fast überall Leute kenne.I ch war anfangs sehr sauer auf meine Mutter, dass ich hier bin. Doch jetzt danke ich ihr. Es ist gut, dass ich aus dem Umfeld weg bin. Ich muss mein Leben hinbekommen. Ich habe mich hier schon sehr verändert.Werde oft hier gelobt. Hier wird mir geholfen, mit meiner Vergangengheit klar zu kommen, was ich früher niemals geschafft hätte.

Kommentare sind erwünscht!:)

Meine Geschichte

14 Okt

Hai!

Ich bin seit einer Woche ca. hier in der Kinder- und Jugendpsychiatrie,weil ich gegen alles und jeden war, die mir helfen wollten. Ich habe auf keine Regeln gehört, mein Leben gelebt, Drogen konsumiert. Mir war einfach alles egal, so wie meine Mutter, mein Bruder etc. Einfach alles. Nur noch meine Freunde haben für mich gezählt, also ich hatte jedenfals das Gefühl, dass es richtige Freunde waren. Ich bin nachts nicht nach Hause gegangen, habe meine Mutter beleidigt, bin auf sie los gegangen. Ich habe Alkohol getrunken darauf hin sehr viele Anzeigen wegen Körperverletzung Sachbeschädigung etc. bekommen. So lange bis meine Mutter gesagt hat: „So! Es reicht jetzt! So kann das nicht weiter gehen.“ Und hat dann die Polizei alarmiert und hat denen halt die ganze Geschichte erzählt. 2 stunden darauf hat mich die Polizei gefunden und  mich in die KJP gebracht.

 Anfangs habe ich nur geweint und gesagt, ich habe keinen Grund hier zu sein, ich habe alles abgelehnt und mich in mein Zimmer verzogen. Bis ich nach dem 3. Tag bemerkt habe, dass  mir hier keiner etwas böses will. Ich habe mich dann drauf eingelassen mit den Ärzten zu reden und so welche Sachen. Heute nach einer Woche kann ich  meiner Mutter nur noch danken, dass sie den Schritt gegangen ist und mich hier rein gebracht hat. Ich hoffe, dass ich nicht mehr allzu lang hier bleiben muss, aber ich vertraue den Ärzten hier einfach mal und denke, die werden schon das Richtige mit mir machen und mich auch unterstützen bei den Sachen bei den ich Hilfe brauche.

Anonym, 14 Jahre

Meine Zeit in der Kinder und Jugendpsychiatrie…

8 Mrz

Ich kam hierhin wegen Alkohol,weil ich immer von zu Hause abgehauen bin, Schulverweigerung und weil ich anscheinend “gewaltbereit“ bin.

Ich hatte auch sehr viel Streit mit meinen Eltern und hatte mit der Zeit immer mehr mit dem Jugendamt zu tun.Ich war da selber nicht stolz drauf.Als man mich hierher geholt hat,war ich völlig fertig. Ich war fest davon überzeugt dass ich nicht in eine Psychiatrie gehöre. Mir gings in den ersten Tagen richtig dreckig, aber mit der Zeit hab ich gemerkt, dass ich doch Hilfe brauche und ich die Hilfe hier bekomme. Es ist hier nicht so wie in den Psychiatrien die man immer in Horrorfilmen sieht ,es ist hier schön eingerichtet und die Betreuer sind auch ziemlich in Ordnung.Ich muss hier 6 Wochen bleiben.

Ich bin jetzt fast 2 Wochen hier und ich muss sagen dass mir die Zeit schon unheimlich viel gebracht hat. Mir wurde hier erstmal klar wie wichtig mir meine Eltern sind.Wenn ich bedenke, wie ich mit denen in den letzten paar Monaten umgegangen bin, könnte ich echt heulen, weil es mir so leid tut. Ich hab nicht gemerkt,dass meine Eltern nur das Beste für mich gewollt haben und ich sie so schlecht behandelt habe. Ich vermisse sie richtig, weil ich hier eine Kontaktpause habe,was alle Kinder und Jugendlichen hier haben, wenn sie auf Entzug sind. Das heisst dass ich mit meinen Eltern nicht telefonieren oder schreiben darf, auch dürfen sie mich nicht besuchen kommen.Ich darf auch keinen Kontakt zu meinen Freunden haben oder zu meinem Freund, was mir unheimlich schwer fällt. Ich war bis vor einem Tag auf einer Intensivstation.Ich sollte von Anfang an auf die Entzugsstation für Kinder und Jugendliche doch ich habe Ärger gemacht und musste darauf auf die Intensiv.

Auf der Intensivstation hat man keinen Ausgang und hockt den ganzen Tag nur drinnen rum. Mein nächstes Ziel war es,auf die Entzugsstation zu kommen, auf der man auch Ausgang hat und sein Handy bei Ausgang benutzen darf. Jetzt bin ich seit gestern Abend auf der Entzugsstation und fühl mich schon viel wohler.Klar,möchte ich hier raus, aber ich bin froh hier gewesen zu sein, denn mir ist erst hier klar geworden, dass ich was ändern muss und zwar sehr, sehr viel. Ich bin erst 14 und hab mein Leben noch vor mir. Und ich möchte eine schöne Zukunft haben und nicht mein Leben lang nur in Stress leben. Ich wünsche jedem, der hierhin kommt, sehr viel Glück und ich weiß dass es am Anfang schwer sein mag,aber sobald man bereit ist, was zu ändern fällt es einem leichter.

Ich freue mich schon,dass wenn ich hier raus bin, mein Leben zu ändern und es in den Griff zu kriegen.

Zu der Intensivstation:

Es ist in Ordnung. Man bekommt 3 Mahlzeiten am Tag. Eine Warme, der Rest ist Frühstück und Abendbrot.Man hat noch 2 Zwischenmahlzeiten, bei denen man Obst und ab und zu Müsli bekommt.Die Zimmer sind hell und mit einem Bett,einen Schrank und einem Stuhl drin. Die Station an sich ist auch ziemlich hell eingerichtet und in gelb gehalten. Es gibt einen Tagesraum, in dem man isst, Spiele spielt und in dem man abends Filme gucken kann, dann gibt es eine Sitzecke in der Sofas sind und ein Kickerspiel. Dort saßen wir immer alle zusammen und haben einfach “nichts“ gemacht. Dann gibt es noch den Kreativraum in dem man malen, Klavier spielen und basteln kann. Es gibt auch feste Zeiten an denen es Essen gibt und an denen man auf dem Zimmer sein muss. Man hat also einen geregelten Tagesablauf.

Das war alles und ich wünsche nochmal denen Glück, die hier wegen ihren Problemen hinkommen. 😉

Hier in der Psychiatrie.

8 Mrz

 

Wie bin ich bloß hier gelandet? Meine Familie, jeder hat mir angedroht dass ich hier hin komme und jetzt sitze ich schon seit 2 Wochen hier fest. 4 Wochen noch. Ich befinde mich immer noch auf der Geschlossenen. Auch wenn das hier alles gar nicht so schlimm ist, ich will mein Handy wiederhaben, und nicht mal Ausgang habe ich, obwohl ich hier kein einziges mal ausgeflippt bin und mich benehme wie ein Engel. Das alles kam irgendwie so, dass ich ständig von zuhause abgehauen bin, im Heim war, abgehauen bin, und wieder im Heim war, ich habe mich an gar keine Regeln mehr gehalten. Ich hing jeden Tag am Hauptbahnhof, wenn ich geschwänzt habe und wenn nicht direkt nach der Schule. Jeder sagt, der Hauptbahnhof ist kein Ort für so eine wie mich. Ich sei zu jung, da sind ja nur Junkies, aber nein, da waren meine Freunde, die Punker, die Penner, ein paar Emos und ’n paar Hipster. Und es sind auch jetzt meine Freunde, ich lasse mir hiernach nicht alles verbieten.

Aber jetzt dazu wie ich hierhergekommen bin. Ich hab seit Anfang 2013 bei meiner Oma gewohnt, aber sie hat halt getrunken und wir haben uns ständig gezofft. 2 Freunde vom Hauptbahnhof sind weggefahren (anderes Bundesland) und nach einem großem Streit mit meiner Oma, bin ich auch weggefahren. Auf der Fahrt kamen Tausende von Kontrolleuren, hatte jedenfalls keine Karte, bin aber durchgekommen ohne erwischt zu werden. Meine Mutter hat mich angebettelt, ihr zu sagen wo ich hin fahre und geschworen keine Vermisstenanzeige zu machen. Was ist? Im anderem Bundesland angekommen stand die Polizei vor mir :,, Einmal bitte mitkommen, junge Dame.“ Ja, das war dann die Vermisstenanzeige. Und auf der Wache wurde ich durchsucht, das Übliche. Nach ein paar Tagen, in einer Notaufnahme, bin ich wieder mit einem Zug zurück gefahren, und am Hbf hat mich meine Mum abgeholt. Sie hat mir die ganze Zeit Anschuldigungen gemacht und mir gesagt, dass ich wieder ins Heim muss. 4 Tage war ich da, auf einmal holt mich der Rettungswagen ab und hat mich hierher gefahren. Durchsuchung, Test, Proben.

Aber hier wird mir klar, dass meine Mutter mich liebt und das alles nur deswegen gemacht hat, und dass ich auch Scheiße gebaut habe. Aber hier ist es eigentlich ganz okay, ich weiß einfach nicht was ich von allem halten soll. Die Betreuer sind echt lustig und ganz okay, und Schule hier macht auch Spaß, trotzdem wäre ich gerne wieder zuhause. Aber ich dachte hier wären nur Verrückte, die sabbern und alles wäre mit Gittern, aber so ist es nicht. Man muss sich an die Regeln halten und fertig. Und die anderen hier sind auch okay. Auf jeden Fall keine Verrückten, die sabbern. Ganz normale Menschen, mit Problemen. Vielleicht hilft mir das hier, ich weiß es nicht. Mal gucken was wird.

 

Anonym, 13.  

Leben ist das Wichtigste was es auf der Erde gibt

19 Feb

Hallo, ich bin 14 Jahre alt und bin hier, weil ich zu einem Polizisten gesagt habe: „Gib mir deine Waffe, dann bringe ich mich um!“Als ich hier ankam, war es gar nicht so schlimm, ganz ehrlich habe ich mir gar nicht so vorgestellt. Ìch habe mir vorgestellt, das vor den Fenstern überall Gitter sind und Panzerglas, aber das alles war eine Lüge: es waren zwar schmale Fenster aber man konnte sie öffnen und man hatte Ausgang mit den Erziehern und wenn man sich sehr gut verhalten hat, bekam auch einen Tagesurlaub oder am Wochenende durfte man zuhause schlafen. Eigentlich hat es mir hier sehr gut gefallen: am ersten Tag wurde ich mit einem Krankenwagen und dem Notarzt und der Polizei per Notaufnahme hier hin gefahren . Aber zuvor habe ich 4 Tage lang Nacht durch gemacht und habe durch Zufall meine Mutter im Bus gesehen. Als ich aussteigen wollte, ließ meine Mutter mich nicht aussteigen, der Busfahrer rief die Polizei und als sie eintrafen, wollte ich abhauen. Als jedoch ein Krankenwagen kam war ich echt aggro, ich wollte mir nicht helfen lassen und habe mich geweigert einzusteigen. Als mich die Polizei in den Polizeigriff nahm, war ich echt wehrlos. Naja, als ich den Flur betrat, lagen sehr viele Patienten im Sichtbereich. Ich habe mich mit allen sehr gut verstanden. Am nächsten Tag wurde ich auf eine andere Station verlegt, weil kein Platz mehr frei war auf der Intensivstation. Die andere Station war mehr offen. Die jetzige Station ist eigentlich eine Drogenstation. Ich habe es da 2 Wochen ausgehalten. Danach bin ich ausgeflippt und wurde wieder hoch auf die Intensivstation und wurde dabei fixiert. Aber ich wurde fixiert, weil ich ausgeflippt bin und abbrechen wollte. Habe mich nicht mehr kontrollieren können und habe gesagt, das ich mich und die anderen Mitarbeiter töten wolle und dann kam die Polizei und dann war ich ruhig. Naja, ich hoffe ich kann bald wieder raus zu meinen Eltern. Ich habe jetzt eine Lektion gelernt: niemals an Selbstmord denken.

Leben ist das Wichtigste was es gibt.

 

 

4.Aufenthalt, Teil 2

26 Sep

Was ist der Haken an deinem fünfzehnten Geburtstag?“

Die Tatsache, dass ich mich in einer Psychiatrie befinde.“

 

Es wurde von den Ärzten und dem Jugendamt beschlossen, dass ich in eine therapeutische Einrichtung nach Bielefeld verlegt werde. Meine Eltern wollten den Rat der Ärzte nicht entgegennehmen, deshalb wurde ihnen ein Teil des Sorgerechts entzogen. Ich verweile immer noch auf der geschlossenen Station und jeder Tag bringt etliche Sorgen und Gedanken mit sich. Jeder Tag zieht sich hin und je mehr ich an Bielefeld denken muss, desto mehr macht sich die Sehnsucht nach meinen Eltern in mir breit. Ich sehne mich nach meinem Zimmer, nach meinem Bett und nach meinem Klavier. (In diesen 21 Tagen konnte ich nur ein einziges Mal an ein Klavier.) Ich habe Angst vor dem Besichtigungstermin, den ich in neun Tagen wahrnehmen muss. Ich habe Angst davor, dass mich meine neue Schulklasse nicht mögen wird und Angst davor, dass meine Mitbewohner mich ausschließen, oder mich als lästig empfinden. Es muntert mich jedoch wirklich auf, dass ich diese Station nach dem Auszug nie mehr als Patient erleben muss. Zwar sind die Patienten, Betreuer, Ärzte und Lehrer freundlich, aber eine Psychiatrie ist und bleibt für mich der anstrengendste Ort, den ich bisher kennenlernen musste. Es ist oft erschöpfend, weil man sich mit sich selbst befassen muss. Dauerhaft. Man muss sich auf sich selbst besinnen, um zu genesen und das tat ich über einen längeren Zeitraum hinweg nicht mehr. Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man bei Arztgesprächen plötzlich merkt, dass es nun einzig und allein um das eigene Wohl geht und es ist auch eigenartig zu merken, dass alle Ärzte und Betreuer zu einem halten. Es werden Entscheidungen getroffen, die oft erst kränkend sind, aber nach einigen Überlegungen realisiert man, wie wichtig jene Entscheidungen waren. So schmerzhaft mir die Perspektive auch vorkommen mag: Ich habe nun zumindest eine sichere, an der ich mich während des Aufenthaltes festklammern kann und der Gedanke daran, dass ich eines Tages ohne gefährdende Handlungen, Rückzug, oder übermäßig belastende Gedanken leben werde, beruhigt mich. Es beruhigt mich jedoch auch, dass ich in der Einrichtung Kleintiere halten darf. Ich werde mir zwei Zwergkaninchen zulegen, die dann von Anfang an meine treuen Begleiter sein werden. Meinen sechzehnten Geburtstag werde ich mit Sicherheit außerhalb einer Psychiatrie feiern können. Ich gebe dir eine Chance, Bielefeld.

4 Aufenthalte

17 Sep

Ich bin nun zum vierten Mal in einer Psychiatrie und es war ermüdend und für mich wirklich peinlich wieder ein Gespräch zu führen, wieder kontrolliert zu werden und wieder von vorn anzufangen. Ich fürchtete mich vor dem Heimweh, der Badbegleitung und dem Sichtbereich. Natürlich war es auch so, dass ich nicht einsehen wollte, dass etwas nicht stimmt, sodass man mir wieder erklärte, man müsse den Richter holen, wenn ich nun nicht einwillige. Ich fand es erschöpfend auf dem grellen und lauten Flur sitzen und schlafen zu müssen, aber jetzt – etwa eine Woche nach dem vierten Aufenthalt – wird mir klar, weshalb all das sein musste. Ich habe sehr lange nicht verstanden, dass die Ärzte und Mitarbeiter helfen wollen. Ich habe mich lange verschlossen und bin bei den ersten Aufenthalten der Gruppe aus dem Weg gegangen, weil ich den direkten Kontakt zu Menschen gar nicht gewohnt war. Lange Zeit war ich nur in meinem Bett und habe mich vor dem, was außerhalb war, sehr gefürchtet.  Dann kam ich jedoch hier hin und man half mir mit Bewegungs- und Ergotherapien, Medikamenten, Gesprächen und echt viel Einfühlsamkeit.  Auch muss ich sagen, dass ich den Mitpatienten sehr dankbar bin, dass sie mich so akzeptiert haben und mit mir so viel gelacht haben. Nach einiger Zeit wurde ich entlassen.

Bevor ich hier eingeliefert wurde, fing all das von vorne an. Ich hörte wieder auf zu essen, war geladen, verbrachte meine Tage im Bett, war kaum ansprechbar und quälte mich mit dem Gedanken, mir wieder etwas anzutun. Ich fühlte mich zu überladen und musste einer Person mitteilen, dass es mir so schlecht geht. Daraufhin gab diese Person meine Gedanken weiter und ich wurde hergebracht. Ich war lange Zeit im Flur und war enttäuscht von dieser Person. Ich integrierte mich dieses Mal jedoch deutlich schneller in die Gruppe als zuvor. Das lag jedoch auch daran, dass ich hier schon einige Patienten kannte. Mittlerweile bin ich in einem Doppelzimmer mit einer netten Zimmernachbarin und darf mit meinen Eltern sogar auf den Sportplatz. Ich gehe auch wieder normal und regelmäßig zur (Klinik)-Schule und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen werde, aber: Die Schule tut mir wirklich gut.

Ich weiß nun, dass ich wieder leben möchte. Natürlich ist nicht jedes Problem weg, aber ich merke, dass sich einige Probleme bei mir lösen. Ich möchte wieder leben und Spaß am Leben haben und schon das Wissen, dass ich dieses Ziel habe, fühlt sich wirklich gut an. In einer Stunde werde ich ein Gespräch mit dem Jugendamt führen müssen. Dann werde ich auch endlich eine Perspektive für die Zukunft haben. Wenn ich so darüber nachdenke, dann weiß ich, dass sich irgendwas zum Guten wenden wird.